543cm Rheinhalle 06:32 20:23

Wanderfahrt 4

Wanderfahrt Lago di Mezzola und Comersee 07. – 10. August 2025

Donnerstag (7.10.)

Oh nein, schon um 5 Uhr schrillt dieser ungeliebte Wecker. Als ich in die Stube trete, grummelt die alte Katze: „Es ist doch noch dunkel.“ In der Küche schlafen die Fliegen und Spinnen noch.
Vor dem Bus in der Gartenstrasse stehen bereits die ersten verschlafenen Teilnehmer/innen der Wanderfahrt. Nach einer kurzen Begrüssung fährt der Bus pünktlich um 7 Uhr ab. Die Fahrt geht zügig Richtung Süden. Kurz vor unserem Ziel am Comersee und bevor dem Car noch weitere Teilnehmer zusteigen, erreicht uns eine unerfreuliche Nachricht. Unser Bootswagen, der wegen eines Unfalls auf die andere Seeseite umgeleitet wurde, hat einen platten Reifen am Anhänger. Im Car herrscht grosse Ratlosigkeit. Unser Bus und der Bootswagen stehen sich kurz vor dem Ziel am Lago di Mezzola am Comersee genau gegenüber. Gegen 14.30 Uhr erreicht unser Car schliesslich den idyllischen Lago di Mezzola, umhüllt von schroffen Bergen. Bald wird nach erfolgreicher Reparatur des platten Reifens auch der Bootstransporter eintreffen.
Auf dem Ruderclubgelände Canottieri Retica erwarten uns zwei Mitglieder freundlich und erwartungsvoll. Das ist auch verständlich, wenn alle 32 Teilnehmer/-innen 7 Euro pro Kopf für das Einwassern bezahlen. Das Abladen der Boote gestaltet sich anfänglich logistisch schwierig. Zuerst müssen die beiden obersten Dreier abgeladen werden. Anschliessend folgt ein millimetergenaues Bahntunnelmanöver zum Bootshausgelände. Die Mitglieder des CA Retica staunen nicht schlecht, als immer mehr Boote vor dem Ruderclubsteg zu liegen kommen. Eine Dame flippt aus, weil ausgerechnet unser Boot den Namen La Rheina trägt. Da gibt es keine Zurückhaltung und es müssen von allen möglichen Seiten Fotos gemacht werden. Es fehlt nur noch, dass sie vor Freude ins Boot sitzt. In der Bootshalle lagern hauptsächlich Skiffs aller italienischen Marken.
Mit einer guten Stunde Verspätung setzen sich unsere acht Boote endlich gegen 16.30 Uhr in den vom Südwestwind leicht gekräuselten See in Bewegung. Erst auf dem Wasser nehmen wir die Stärke des Gegenwindes richtig wahr. Auf dem Lago di Mezzola ist alles sehr idyllisch und friedlich und die Kulisse, vor welcher wir rudern, geradezu traumhaft. Viel zu schnell müssen wir den Lago di Mezzola über den Merakanal Richtung Comersee verlassen.
Auf dem Comersee erwarten uns viel Wind, Motorboote und raues Wasser. Jedes Boot kämpft nun auf seine Weise und mit eigener Technik gegen Wind und Wellen. Trotz allem erreichen alle Boote nach den ersten 17 km unversehrt um 19.30 Uhr das erste Etappenziel Gravedona, wo wir unsere Boote über Nacht lagern. Nach einem langen Tag folgen Bezug des Hotels Bazzoni in Tremezzo, die ersehnte Dusche und ein üppiges Nachtessen. Tanzen geht wohl niemand mehr ins EG des Hotels.

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Freitag (8.10.)

Asketisch, wie Ruderer/-innen nun sind, ist um 06.30 Uhr Morgenessen. Rolf, unser Bus-Chauffeur, fährt uns anschliessend nach Gravedona zum Bootslagerplatz. Schnell gleiten die Boote auf das noch gut ruderbare Wasser. Es scheint, als hätte der Comersee auch geschlafen und werde langsam durch allerlei Boote aufgeweckt. Es ist einfach herrlich, so ruhig und entschleunigt die malerischen Villen und Hügellandschaften auf sich wirken zu lassen. Die Sonne spielt mit dem Schatten um die Vorherrschaft. Allmählich erwachen auch die Motorbootfahrer. Sie sorgen dafür, dass gute Rudertechnik immer gefragter wird.
Der letzte Streckenabschnitt der gut 20 km langen Etappe ist holprig und fordert uns heraus. In unserem Dreier haben wir zwei Tracker. Der eine gibt an, dass wir 20,4 Km gerudert sind und 283 Höhenmeter zurückgelegt haben. Wir fragen uns, ob wir beim Mountains-Rowing mitgemacht haben. In Tremezzo können alle acht Boote sehr speditiv ausgewassert werden.
Es bilden sich sofort verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Interessen. Einige gehen sofort im See baden, andere zum Hotel, um zu duschen. Wieder andere geniessen an der Promenade einfach ein Bier. Schliesslich ist es sehr heiss.
Das Dorf Tremezzo ist ein typisches Strassendorf. Hier finden Touristen irgendeine Beschäftigung, um sich zu entspannen. Es gibt wie fast überall ein Museum, mehrere Kirchen mit tollen Malereien und natürlich Kaffees, Vinotheken etc.

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Samstag  (9.10.)

Wir sind bereits im Rhythmus des Frühruderns. So bewegen wir uns ab 07.30 Uhr mit den ersten Ermüdungserscheinungen zum Bootslagerplatz unweit unseres Hotels. Gutes Tape ist an diesem Morgen sehr begehrt. An allen unmöglichen Körperstellen haben sich Blasen gebildet. Professionell schnell sind die Boote auf dem noch schlafenden See. Ohje, beim Wegrudern mit dem Bürokrat kann das Steuer trotz angespanntem Seil nicht richtig bewegt werden. Kurzerhand werden die Steuerseile abgehängt, um das Boot mit den Rudern zu steuern. Dadurch gibt es auch keine Wadenkrämpfe mehr.
Rudern ist doch eine schöne Sportart. Herrlich, wie zufrieden und ruhig wir dahingleiten. Nur das Setzen der Ruder und unsere Sprüche oder Kommentare unterbrechen die Morgenstille. Die Blicke richten sich immer wieder auf die Berge, die rötlichen Dörfer sowie die üppigen Gärten. Viele alte Bäume und Begrünungen machen diese Gegend so lebenswert. Unzählige Häuser kleben an Steilhängen oder stehen protzig in der Nähe des Sees. Dörfer sind über Generationen terrassiert worden. Es gibt kleine Trauben- oder Kastanienplantagen. Immer wieder entdecken wir lauschige Plätze sowie liebevoll geschmückte Häuser.
Allmählich verlangt das Rudern unsere volle Aufmerksamkeit. Der See wird immer rauer. Ab Toriggia bis zu unserer Auswasserungsstelle in Urio ist das Wasser kaum ruderbar. Die Motorboote überholen uns jetzt von allen Seiten. Sie kennen weder Abstands- noch Anstandsregeln. Das Herzklopfen steigt, als wir der Villa von George Cloony näherkommen. Beim Anblick eines eher bescheidenen Anwesens sind wir fast ein bisschen enttäuscht. Sehnlichst sucht unsere Mannschaft den Ausstieg und Bootslagerplatz, welcher sich als ausgetrocknetes Bachbett herausstellt. Ein Team bevorzugt zum Aussteigen die Badevariante – zum Leidwesen der Betroffenen, aber mit einem gewissen Unterhaltungswert für die anderen.
Wir erreichen unseren Bus nach einem etwa 15-minütigen Fussmarsch über einen steilen Weg. Bei glühender Mittagshitze ist das eine gewisse Herausforderung. Wir sind überrascht, als wir sehen, dass unser Busfahrer Rolf mit zwei Polizisten diskutiert. Der Bus war in die falsche Richtung unterwegs und Rolf muss eine Busse von 60 Euro bezahlen.
Am Nachmittag folgt der gemütliche Teil mit Baden, Schlafen, Aperol und gutem Essen. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung. Die geplante Como-Stadtführung muss abgesagt werden, weil der Bus nicht mehr dorthin fahren darf. Also fahren wir zu fünft über den See nach Bellagio. Unsere Sinne geniessen die italienischen Weine, das Essen und natürlich Gelato. Ein intensiver Tag geht mit der Rückfahrt nach Tremezzo zu Ende.

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Sonntag (10.10)

Weil der Bus nur am Morgen bis 07.30 Uhr Fahrerlaubnis hat, gibt es heute eine „Nachtübung“. Noch im Dunkeln verlassen wir das Hotel um 05.30 Uhr und fahren zum Bootslagerplatz. Der Vorteil ist, dass es noch keine Motorboote und grosse Hitze gibt und Hoffnung auf wenig Wind besteht. Es sind 5 Beaufort angesagt, was nicht wenig ist. Die Boote sind wiederum flink eingewassert. Jetzt ist wichtig, die Ruhe und das Panorama nochmals voll in sich aufzunehmen. Wir fahren alle Buchten schön aus, geniessen das Erwachen der Bewohner und schauen ihnen beim gemütlichen Kaffeetrinken zu. Im Geist trinken und geniessen wir mit, da uns der Morgenkaffee vorenthalten wurde. Gegen Como wird der Gruftilust immer heftiger vom Nordwind durchgerüttelt. Der Wind bringt es fertig, unser Boot zu einem Drittel mit Wasser zu füllen. All die Tage zuvor fassten wir nicht so viel Wasser, nicht einmal die Wellen der Motorboote haben dies geschafft. Zufrieden und überglücklich laden wir nach dem Auswassern in Como alle zusammen die Boote auf den Bootsanhänger.
Einige Teilnehmer/innen nutzen die Gelegenheit für ein schnelles Bad. Sie machen das Vergnügen jedoch nicht ohne die Polizei. Das Baden kostet sie 50.- Euro Busse und uns dreiviertel Stunden Zeitverlust. Weil die Polizei so fleissig ist, bekommt unser Bus auch gleich noch eine Busse wegen Parkvergehen. Insgesamt fassten wir auf dieser Wanderfahrt sechs Bussen: 2x Bus, 1x Anhänger und drei Badende. Zum Glück fährt unser Bootswagen hinter der Policia Guardia Comunale gleich los. Wir hätten doch gleich ein Bussen-Abo lösen können!
Für alle Teilnehmenden waren es vier intensive und wunderschöne Ruder- und Ferientage. Christian Griss, welcher wie immer seine Erfahrung, Freude und ausgezeichnete Arbeit mit uns geteilt hat, danken wir herzlich. Ein herzliches Dankeschön geht auch an Andreas Schneider und Nicole Wirz, welche den Bootstransport übernahmen und sich ins Zeug legten, damit der platte Anhängerreifen so schnell gewechselt werden konnte und wir am ersten Tag unserer Wanderfahrt noch rudern konnten.
Es hat sich gezeigt, wie richtig es ist, jeweils früh aufzubrechen. Ab ca. 11.00 Uhr war der Comersee wegen den vielen Wellen und Motorbooten für uns Sportlern/innen nicht mehr unser Terrain. Allen Teilnehmer/innen dieser Wanderfahrt ein herzliches Dankeschön. Ihr habt mit eurem Teamgeist dazu beigetragen, dass diese vier Tage zum unvergesslichen Event wurde. Meinem Team vielen Dank, ihr habt mit Humor und den „halben Schlägen“, die Müdigkeit vergessen lassen.

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Bericht: Roland Breitenmoser

Fotos: Ulf, Roland, Florence, Herman, Lucienne, Doris, Barbara, Jean-Nicolas, Andreas, Eugen, Daniel

Link zur umfangreichen Fotogalerie


 

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